Mitglieder von Greenpeace Karlsruhe

Géza Winzig, Ansprechpartner für das Thema Landwirtschaft

Warum muss die Welt gerettet werden?

Die Welt muss gerettet werden, weil es uns sonst bald nicht mehr gibt. Wir erhalten das, was uns erhält, eigentlich ist das purer Eigennutz. Im Endeffekt nützt der Umweltschutz nur uns. Wir müssen auch zeitlich weiterdenken. Wir stellen jetzt die Weichen und sichern die Zukunft für die nächsten Generationen. Heutzutage setzt man kurzfristige Ziele und will schnellen Erfolg. An die Zukunft wird nicht gedacht.

Du bist Ansprechpartner für das Thema Landwirtschaft und damit auch der "Greenpeace-Experte" zu diesem Thema. Was interessiert dich daran besonders?

Die Landwirtschaft ist unsere Lebensgrundlage. Ohne Landwirtschaft hätten wir nichts zu essen, keine Gebrauchsgegenstände und keine natürlichen Ressourcen. Die moderne Landwirtschaft nutzt den Boden, die Luft und das Wasser intensiv. Und nur eine nachhaltige, ökologische Landwirtschaft nutzt diese drei Ressourcen so, dass sie auch kommenden Generationen noch zur Verfügung haben.

Was gibt es nun konkret zu tun?

Die intensive, industrialisierte Landwirtschaft muss zurückgedreht werden. Sie braucht Unmengen an Pestiziden und verunreinigt Wasser und Boden. Es muss auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden, also: weg von den chemisch-synthetischen Pestiziden und hin zu intelligenteren Methoden auf dem Acker.

Aber hat denn nicht die industrielle Landwirtschaft erst hervorgebracht, dass wir alle genügend zu essen haben?

Die industrielle Landwirtschaft ist nur auf den ersten Blick effektiv, da sie mehr Erträge pro Anbaufläche liefert. Kurz gesehen ist das gut, das geht aber nur durch synthetische Düngemittel und Pestizide. Diese erhöhen den Ertrag in den ersten paar Jahren, danach wirken sie nicht mehr, weil der Schädling Resistenzen gegen das Mittel ausgebildet hat. Außerdem macht das Pestizid keinen Halt vor Nützlingen, die Artenvielfalt geht zurück und unsere Umwelt ist bedroht.

Was ist deine Aufgabe als Ansprechpartner?

Ich bekomme die Informationen der Greenpeace-Zentrale, arbeite diese auf und gebe sie an die Gruppe weiter. Allgemein stehe ich für die Gruppe als Experte zur Verfügung.

Wenn du deine Arbeit mit den Aktivisten vergleichst, die spektakuläre Aktionen durchführen: Welche Chancen haben denn die kleinen, lokalen Ortsgruppen?

Seitdem ich selbst bei Greenpeace bin, weiß ich, dass man auch durch Info- und Rechercheaktionen etwas bewegen kann. Viel Arbeit passiert auf der Straße. Bei den Ortsgruppen geht es nicht darum, die Masse an Leuten zu haben, sondern eine große mediale Verbreitung. Dadurch erhalten wir größere öffentliche Aufmerksamkeit. Die Ortsgruppen leisten einen großen Beitrag um Druck auszuüben.

Hat deine Mitarbeit bei Greenpeace deine Sicht auf manche Dinge verändert?

Durch den Wissenszuwachs, den ich hier bekomme, kann ich in vielen Situationen anders entscheiden. Das Insiderwissen, das ich durch Fortbildungen bekomme, ist sehr gut. Und auch die Arbeit mit vielen unterschiedlichen Leuten, sei es im Plenum oder draußen auf der Straße, bringt mich weiter. Die sozialen Kontakte, die man hier bekommt, sind sehr hilfreich.

Dein bester Moment bei Greenpeace?

Es gibt eigentlich nicht den einen, guten Moment. Aber es gibt immer wieder Momente in denen ich sage: Da hat sich die Arbeit gelohnt! Während einer Aktion weiß man zwar noch nicht, wie es ausgehen wird. Wenn aber dann ein Erfolg kommt, ist die Freude ziemlich groß und ich kann sagen, dass ich ein Stück mitgearbeitet habe!